Stellungnahme zum Doktorhaus

Das Doktorhaus wurde 1921 von einem Zimmermann errichtet. 1937 wurde es für einen Arzt umgebaut. Es ist nun 100 Jahre alt. Aus meiner Sicht ist es damit ein ortsbildendes Objekt, das man nicht einfach für einen Parkplatz abreißen sollte. Die Gemeinde Tarmstedt hat das Haus der Samtgemeinde Tarmstedt unter der Bedingung, dort eine Mensa zu bauen, angeboten. Mit Bauchschmerzen habe ich dieser Entscheidung zugestimmt.

Nach der neuesten Planung soll dort lediglich ein Parkplatz gebaut werden. Aus meiner Sicht ist das nicht hinnehmbar. Sicherlich ist das Haus renovierungsbedürftig, aber nach Auskunft einer hiesigen Architektin ist es nicht baufällig und somit erhaltungswürdig. Die Kosten für die Instandhaltung wurden vor einigen Jahren grob geschätzt. Diese hohe Kosten stelle ich in Frage. Es besteht auch die Möglichkeit, mit ehrenamtlichem Engagement Kosten einzusparen. Hier könnten sich beispielsweise Jugendliche einbringen. Trotz allem hätte die Gemeinde später immer noch die Möglichkeit, das Haus zu verkaufen, da es sicherlich eine große Nachfrage nach solch einem tollen Objekt gäbe.

Dabei fürchte ich um den Stellenwert der Jugendarbeit, wenn der Jugendtreff in die Schule verlagert wird. Mit viel Engagement wurde das Doktorhaus von den Jugendlichen hergerichtet. Sie richteten sich einen Musikraum ein, in dem sie ungestört musizieren können. In der tollen Küche können sie gemeinsam kochen und backen. Weiterhin stehen ein Billard- und ein Kickertisch zur Verfügung. Das Haus bietet auch diverse Rückzugsmöglichkeiten an.

In einem neuen Gebäude soll es einen Multifunktionsraum geben. Das würde bedeuten, dass sich die Jugendlichen den Raum mit anderen Gruppen teilen müssten. Nach jedem Gruppenwechsel müsste der Raum wieder so hergerichtet werden, dass die Folgegruppe ihn für ihre Bedürfnisse nutzen kann. Jugendliche müssen sich in ihren Räumen wohlfühlen und sich mit ihnen identifizieren. Wenn diese Voraussetzung fehlt, leidet die sozialpädagogische Arbeit und die Jugendlichen gehen uns verloren. Ein Multifunktionsraum schränkt die offene Jugendarbeit zeitlich als auch räumlich erheblich ein und ist somit in keiner Weise ein adäquater Ersatz für das Doktorhaus!