Bernd Sievert spricht mit Vorwerker Bürger*innen über die geplanten Benkeler-Windenergieanlagen

Der Samtgemeindebürgermeisterkandidat der SPD Tarmstedt, Bernd Sievert, traf sich am

vergangenen Samstag auf dem Mühlenhof mit den Betroffenen. Hierzu gehören Karen Wahlers, Lukas Marherr und Guido Bruns. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde auf die Teilnahme weiterer Personen verzichtet. Thema des Treffens waren die geplanten Windenergieanlagen, die auf Verdener Kreisgebiet an der Kreisgrenze zum Landkreis Rotenburg/Wümme gebaut werden sollen. Zunächst ließ sich Sievert die Sichtweise der Teilnehmer erläutern.

Ohne Windenergie wird die Energiewende nicht möglich sein, das machten die Betroffenen zu Beginn deutlich. Aus ihrer Sicht ist es problematisch und kontraproduktiv, wenn diese Anlagen in hoch sensible Landschaftsschutzgebiete und Biotopverbunde gebaut werden. Die Artenvielfalt ist für das Überleben der Menschheit von großer Bedeutung. Artenvielfalt und regenerative Energien dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Sievert ließ sich nun den Sachstand erläutern:

1. Die Firma N-Wind plant auf Verdener Kreisseite in der Gemarkung Benkel den Aufbau von 3 Windenergieanlagen vom Typ Enercon E-160 EP 5 aufzubauen. Diese Anlagen haben eine Nabenhöhe von 166 m und eine Gesamthöhe von 246 m.

2. Im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Rotenburg/Wümme vom 28.05.20 ist das anliegende Gebiet auf Rotenburger Seite nicht als Potentialfläche für Windenergieanlagen vorgesehen. Darüber hinaus äußerte die Rotenburger Kreisverwaltung große Bedenken hinsichtlich des Artenschutzes und des Landschaftsbildes.

3. Auf Verdener Seite als auch auf Rotenburger Seite befinden sich die Standorte in unmittelbarer Umgebung von ausgewiesenen Vogelbrutgebieten und Zugvogelrastgebieten. Außerdem erfüllen die Gebiete an der Walle, Stapeler Forst und Linnewedel die Voraussetzung für ein Landschaftsschutzgebiet im Landschaftsrahmenplan des Landkreises Rotenburg/Wümme nach § 26 BNatSchG. Das Landschaftsschutzgebiet „die Beekeniederung“ auf Verdener Seite liegt nur 125 Meter südlich. Nach dem Landschaftsrahmenplan des Landkreises Verden erfüllt dies sogar die Voraussetzung für ein  Naturschutzgebiet nach §23 BNatSchG.

4. Das RROP des Landkreises Verden von 2016 wurde durch ein Oberverwaltungsgerichtsbeschluss vom Mai 2020 für ungültig erklärt, woraufhin die Firma NWind umgehend ihr Vorhaben ankündigte 3 Windenergieanlagen in der Gemarkung Benkel aufzubauen.

5. Der Ortsrat der Gemeinde Otterstedt im Flecken Ottersberg und der Umweltschutz- und Landschaftspflegeausschuss des Flecken Ottersberg stimmten dem Antrag von NWind einstimmig zu.

6. Die geplanten Standorte liegen zu den ersten Vorwerker Häusern (Wüstenbrook) 550 m entfernt und zum Ortsrand Vorwerk 735 m. Somit dürften auf Rotenburger Seite nach dem RROP dort keine Windenergieanlagen errichtet werden.

Nach dem Gespräch über den Stand der Dinge, ließ sich Bernd Sievert zu den geplanten Standorten fahren. Hier konnte er sich ein Bild vor Ort machen. Die anwesenden Vorwerker wiesen noch einmal auf die Mindestabstände (1000 m) zur Wohnbebauung auf Rotenburger Seite hin. Sie stellten fest, dass diese Abstände auf Verdener Seite zu bebauten Siedlungen eingehalten werden, während sie auf Rotenburger Seite unterschritten werden. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Von den geplanten Standorten konnte man hinter der Walleniederung den Ort Vorwerk erblicken. Karen Wahlers erwähnte, dass sie täglich die verschiedensten Vogelarten sehe. Darunter seien z. B. der Rotmilan, der Schwarzstorch, die Wiesenweihe, die Rohrweihe, Kraniche, Reiher, Wildgänse und weitere Zugvogelschwärme. Während des Gespräches konnten Kranichschwärme beobachtet werden, die in unmittelbarer Nähe der Planungsflächen landeten. Weiterhin entdeckten die Teilnehmer ein noch unbewohntes Nest eines Schwarzstorches.

Bernd Sievert zeigte sich darüber verwundert, dass die Bürgerinnen und Bürger des Ortes Vorwerk im Vorfeld über das Vorhaben nicht informiert worden sind. In einer lebendigen Demokratie muss es möglich sein über Dinge, von denen die Bürger*innen direkt oder indirekt betroffen sind, zu diskutieren. Er sieht Windenergieanlagen ebenfalls für die Energiewende als wichtig an. „Aber die Menschen vor Ort müssen mitgenommen werden“, so Sievert. Der Natur- und Artenschutz darf nicht außer Acht gelassen werden. Lukas Marherr sprach in diesem Zusammenhang die Klage der EU-Kommission vor dem EuGH gegen Deutschland an. In dieser Klage geht es um die ungenügende Ausweisung von Naturschutzgebieten und der Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zur Erhaltung natürlicher Lebensräume sowie zum Schutz wildlebender Tiere in Deutschland.

Zum Schluss bedankte sich der Samtgemeindebürgermeisterkandidat für die Einladung und betonte, dass er im Rahmen seiner kommunalpolitischen Ämter die entsprechenden Stellen der beiden Landkreise schon kontaktiert habe und weiter das Gespräch suchen werde.