Bernd Sievert spricht mit Claas Schnackenberg vom Freesenhoff in Wilstedt über Herausforderungen in der Landwirtschaft

Im Rahmen seiner Tour „Sievert im Gespräch“ besuchte der Samgemeindebürgermeisterkandidat Bernd Sievert am vergangenen Samstag den Hof von Familie Schnackenberg ,,Freesenhoff KF“ in Wilstedt. Bernd Sievert interessierte sehr, wie auf dem Freesenhoff mit den Herausforderungen des Klimawandels, dem aktuellen Milchpreis und den Vorgaben der Behörden umgegangen wird. In diesem Zusammenhang wurde intensiv über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesprochen.

Die Ursprünge des Freesenhoff lassen sich bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgen. Ein gewisser Hinrich Freesen gründete damals die Hofstelle. Klaus Schnackenberg führt in der 13. Generation den Hof. 2019 wurde eine KG gegründet, deren Geschäftsführer Klaus und Claas Schnackenberg sind. Weiterhin ist dieser landwirtschaftliche Betrieb Arbeitsplatz von 3 fest angestellten Mitarbeitern, 2 Lehrlingen und einer Aushilfskraft.

Der Wilstedter Betrieb ist schwerpunktmäßig auf die Milchhaltung ausgerichtet. „Der Milchkuhbestand hat sich von 2012 bis heute von 100 auf 340 Kühe mehr als verdreifacht,“ erläuterte Claas Schnackenberg. Das Grundfutter werde selbst angebaut und lediglich das Kraftfutter zugekauft. Auf Soja wird verzichtet, weil  nur regionale produziertes Futter verwendet werden soll. Bernd Sievert interessierte, wie der Landwirt mit dem derzeitigen Milchpreis von 30 ct. pro Liter wirtschaften könne. Dieser Betrag sei keineswegs kostendeckend und die letzten Dürresommer haben zu niedrigeren Ernteerträgen geführt, sodass Futter zugekauft werden musste. Aber auch die Futterpreise sind in den letzten Jahren gestiegen. Claas Schnackenberg habe aber die Hoffnung, dass die Milchpreise bald wieder ansteigen. „Den Verbraucher würden ein paar Cent mehr nicht wehtun, aber bei den Landwirten entscheiden die über weiter wirtschaften oder aufgeben!“   

Im Rahmen der Fruchtfolge wird seit diesem Jahr auch Dinkel angebaut. Der erwartete Ertrag liegt bei 25 Tonnen, die in der Rolandmühle in Bremen verarbeitet werden soll. Es sei geplant das Mehl an eine hiesige Bäckerei zu verkaufen bzw. über den eigenen Hofladen, der im Mai eröffnet wird, selbst zu vermarkten. Die Abfallprodukte, die Spelzen, die nach dem Schälen übrig bleiben sollen an hiesige Hühnerbesitzer verkauft werden. So bleibt von der Produktion bis zur Vermarktung alles in der Region. Bernd Sievert wies daraufhin, dass diese Form der landwirtschaftlichen Produktion gerade in Bezug auf den Klimawandel eine große Bedeutung habe. „Lange Transportwege werden vermieden und von der Produktion bis zum Verbraucher bleibt alles in der Region.“

Am 18. März wird das erste Mal von einer mobilen Käserei Käse hergestellt und zum Verkauf angeboten. Selbstverständlich werden auch Eier und Kartoffeln aus der Region verkauft und ab Sommer wird das Hofladensortiment um Fleisch von eigenen Bunten Bentheimer Schweinen erweitert. „Die Selbstvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten hat in den letzten Jahren nicht nur aufgrund des Kostendrucks zugenommen, sondern es ist auch ein verändertes Kaufverhalten der Konsumenten festzustellen, die immer mehr auf regional produzierte Lebensmittel zurückgreifen,“ sagte Claas Schnackenberg.

Ein weiteres Standbein ist für den Wilstedter Landwirt die Planung einer Biogasanlage. Diese soll ausschließlich mit der Gülle der eigenen Kühe betrieben werden. Der produzierte Strom der 75 Kw-Anlage wird in das öffentliche Netz eingespeist und mit der Wärme wird der eigene Hof versorgt. Der Gärrest wird als Dünger auf dem Flächen verteilt.

Der SPD-Samtgemeindebürgermeisterkandidat wies in dem Gespräch auf den landwirtschaftlichen Betrieb seines Großvaters und seines Onkels hin, den sein Cousin aufgeben musste. In diesem Zusammenhang erwähnte Claas Schnackenberg, dass heute ein sehr hohes Leistungs- und Qualitätsniveau erforderlich sei, um zu bestehen. Für seinen Betrieb sieht er die verschiedenen Standbeine und die regionale Vermarktung als einen Lösungsansatz an. Auch die Belastung der Umwelt dürfe auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Er wünsche sich aber auch z. B. von den Behörden Vereinfachungen hinsichtlich des Baurechts oder Emissionsschutzes.