Klimafreundliche Samtgemeinde

Warum, werden sich vielleicht einige fragen, ist eine klimafreundliche Samtgemeinde erstrebenswert? Welche Vorteile ergeben sich für die Gemeinschaft oder auch den Einzelnen daraus, oder ergeben sich sogar Nachteile?

Wer die Nachrichten in der letzten Zeit verfolgt hat, wird sicherlich bemerkt haben, dass die letzten drei Sommer deutlich zu trocken waren und damit die Landwirtschaft massiv unter Druck gesetzt wurde. Was vor einigen Jahren noch weit weg schien, rückt langsam näher. Das gleiche gilt auch für die Bedrohung unserer Wälder durch den Borkenkäfer. Auch hier war gerade im letzten Jahr ein deutlicher Zuwachs der Berichterstattung in der hiesigen Presse zu beobachten.

Beides sind aber wichtige Wirtschaftsfaktoren. Die Holzwirtschaft vielleicht nicht unbedingt in unserer Region, dafür aber die Landwirtschaft umso mehr.

Darüber hinaus sorgen Stürme und Starkregenereignisse für großen Schäden auch in den privaten Bereichen. Wissenschaftler sehen hier klar den Klimawandel als Grund dafür an und warnen davor, dass wir in Zukunft mit deutlich mehr solcher Ereignisse rechnen müssen.

Natürlich können wir mit unserem Verhalten in einer Gemeinde nicht das Klima allein beeinflussen, aber wir können eine Vorbildfunktion einnehmen und auch andere ermutigen dazu beizutragen, die Welt von morgen erträglicher zu gestalten.

Darüber hinaus kann eine klimafreundliche Gemeinde aber, durch den Klimawandel bedingte Ausgaben zur Regulierung von Schäden und Einbußen in einigen Wirtschaftszweigen, dazu beitragen neue Einnahmequellen zu generieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen und damit eine Region wieder attraktiv machen.

Wie aber kann so was erfolgen? Beispiele hierfür gibt es reichlich. Einige Gemeinden in Deutschland haben sich dazu entschlossen einzelne Maßnahmen zu beschließen und umzusetzen. Hierzu zählen die Installation von Blockheizkraftwerden die mit Energieträgern aus Biogasanlagen gespeist, Energie in Form von Strom in das öffentliche Netz einspeisen und / oder Energie in Form von Wärme in ein Nahwärmenetz einspeisen. Da Biogas in vieler Hinsicht umstritten ist, gehen einige Kommunen jetzt den Weg sich an anderen erneuerbaren Energieträgern wie Windparks oder Photovoltaikanlagen zu beteiligen. Andere Gemeinden haben ihr örtliches Netz von den Netzbetreibern zurückgenommen, um ein eigenes Stadtwerk zu gründen und dieses mit regenerativer Energie zu speisen, die vor Ort produziert wird.

Gerade die Flächen, die für Energieträger wie Sonnenenergie und Windenergie benötigt werden, können durch die Landwirtschaft bereitgestellt werden und ermöglichen den Landwirten zusätzliche Einnahmen. Dadurch kann verhindert werden, dass landwirtschaftliche Betriebe immer größer werden müssen und letztlich dazu beitragen, dass der CO2 – Eintrag in die Atmosphäre noch weiter ansteigt, oder aber auch, dass kleinere Betriebe ihre Landwirtschaft einstellen müssen. Ein weiterer Effekt ergibt sich daraus, dass kleinere Betriebe auch so wirtschaften können, dass der Eintrag von Pestiziden, Insektiziden sowie z. B.  Nitraten aus der Düngung in Boden und Grundwasser reduziert werden kann. Die hier beschriebenen Wege stellen bereits große Maßnahmen dar, die natürlich auch einen sehr großen Hebel haben. Die Einnahmen aus dem Verkauf von umweltfreundlicher Energie stellen für eine Kommune einen Weg dar, die Kasse aufzufüllen und über die regionale Wertschöpfungskette noch zusätzliche Einnahmen durch attraktive Arbeitsplätze vor Ort zu generieren. Lukrative Arbeitsplätze vor Ort stärken die Kaufkraft und damit den Einzelhandel. Das Ergebnis sind Mehreinnahmen durch die Gewerbesteuer.

Aber auch die kleineren Maßnahmen bringen einer Kommune zusätzliche Einnahmen. Die gemeindeeigenen Dachflächen und Fassaden von öffentlichen Gebäuden können oftmals sehr gut zur Installation von weiteren Photovoltaikanlagen oder solarthermischen Anlagen genutzt werden und damit den Eigenstrombedarf und auch den Wärmebedarf weitestgehend zu decken. Dadurch können die Energieausgaben massiv reduziert werden. Das Geld kann dann anderen öffentlichen Einrichtungen wie z. B.  Schulen, Kindergärten, Vereinen oder aber auch Freibädern zugutekommen.

Auch die Beleuchtungssysteme auf den neusten Stand bringen heißt Energie und damit Geld sparen.

Eine weitere Möglichkeit liegt darin, die Bebauungspläne so zu gestalten, dass im Wesentlichen Klimaneutrale Häuser gebaut werden. Die ländliche Region in den „Speckgürteln“ der großen Städte wird für Menschen immer attraktiver. Um hier auch entsprechende Klientel anzuziehen, gehen einige Gemeinden bereits den Weg der Förderung von klimagünstigen und klimaneutralen Häusern. Und warum auch nicht? Letztlich müssen solche Maßnahmen als Anreizprogramm verstanden werden. So wie die Kaufkraftstärkung den Einzelhandel fördert, stärken neue klimaschonende Technologien die Handwerksfirmen vor Ort und führt letztlich auch zu Neuansiedlungen von Handwerksbetrieben und damit zu weiteren Einnahmen aus Gewerbesteuern.

Diese genannten Beispiele, derer es noch deutlich mehr gibt, beziehen sich im Wesentlichen auf die Nutzung erneuerbarer Energien, Einsparmöglichkeiten und klimafreundlicher Bausubstands. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass zu einer klimafreundlichen Gemeinde noch weitaus mehr gehört. Hierzu zählen Blühwiesen, auf denen sich wieder Insekten ansiedeln, Streuobstwiesen sind für die Artenvielfalt und können für die Artenerhaltung sehr wichtige Rolle spielen. Dinge die eventuell zunächst erst mal Geld kosten und nur wenig dazu beitragen weitere Einnahmen zu erzielen. Aber zu einer klimafreundlichen Gemeinde gehört auch eine klimafreundliche Umgebung, in der sich die Menschen wohlfühlen und Menschen, die sich in ihrer Gemeinde wohlfühlen engagieren sich auch gern für ihre Gemeinde. Hier sei nur der Mitgliederschwund in den Vereinen genannt oder auch in den politischen Parteien vor Ort. Auch hier kann eine klimafreundliche Gemeinde wahre Wunder vollbringen.

Weitere Maßnahmen zu einer klimafreundlichen Gemeinde können sein, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehr, Ladestationen für die E-Mobilität, in naher Zukunft auch Speicher für Wasserstoff aus überschüssiger Erneuerbaren Energien usw. Die Liste ließe sich noch fortführen, aber das soll ein erster Einblick sein in das, was eine klimafreundliche Gemeinde ausmacht. Wichtig hierbei ist aber nicht nur die Politik, diese kann durch weitsichtige und kluge Entscheidungen die Weichen stellen, sondern auch durch engagierte Bürger*innen. Ohne diese geht es nicht.